ESC Tel Aviv: Höhepunkte und Enttäuschungen

Einen Tag nach dem ersten Semifinale und drei Tage vor dem großen Finale ist die Medienmaschinerie angelaufen, das Pressezentrum hat sich gefüllt und alle können nun erste Bilanzen ziehen – erfreulich für die einen, ernüchternd für die anderen. Was waren heute die Themen des Tages?

Semifinale 1

Fangen wir mit Enttäuschungen an: beim gestrigen Semifinale gab es schockierte und lange Gesichter – in der Halle, im Pressezentrum und in den sozialen Netzwerken.
Eigentlich denken wir, dass die Vorauswahl durch die Semifinale eine gute Erfindung für den ESC war.
Doch angesichts des Ergebnisses fragen wir uns: bedarf es keiner Stimme mehr, um ins Finale des größten Musikwettbewerbs der Welt gewählt zu werden? Denn was gestern Abend zum Teil abgeliefert wurde, war zum Fremdschämen. – Allerdings ist es eben genau das, was passiert, wenn die Semifinale auf Spartensender verschoben werden und keine allzu große Beachtung und nur niedere Einschaltquoten erreichen.
Auch wenn wir ungerne wetten: wir sind uns relativ sicher, dass Australien gestern Abend das Finale mit Abstand gewonnen haben dürfte.
Und wir stellen fest: mit 8/10 Finalist*innen haben wir immerhin gar nicht so schlecht getippt!

Die Halle beim ersten Semifinale | Foto: Andres Putting/EBU

Eröffnungs-Show

Der Showteil der gestrigen Auftaktssendung hatte es allerdings in sich: Viel Tanz in den Vorstellungstrailern der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ein fulminanter Startschuss durch die Vorjahressiegerin Netta und dann natürlich Dana International, die ihre Botschaft von Frieden und Liebe verbreitete: Love is Love – verbunden mit einer Kisscam, die wir uns nur allzu gern im Finale gewünscht hätten, wenn auch die Einschaltquoten in homophoben EBU-Mitglieds-Ländern hoch gewesen wären.

Love is Love - Dana International als Botschafterin | Foto: Martin Schmidtner
Love is Love – Dana International als Botschafterin | Foto: Martin Schmidtner

Dies war denn auch Thema auf Twitter und in den sozialen Medien:

Kommt sie oder kommt sie nicht?

Seit Wochen geht es hin und her: Pop-Queen Madonna werde Intervall-Act beim ESC-Finale.
Die Idee stammt vom israelisch-kanadischen Geschäftsmann Sylvan Adams, der Medienberichten zufolge rund 1,15 Millionen Euro investiert haben soll, um Madonna zum Finale des Song Contests nach Tel Aviv zu holen.
Immer wieder wurde dementiert, bestätigt oder jeglicher Kommentar verweigert.
Doch gestern scheint die Ikone angereist zu sein: laut dpa mit 30 Tonnen Ausrüstung und einem Tross von 130 Mitarbeiter*innen.

An dieser Stelle werden wir stutzig – seit Wochen ist die Halle aufgebaut, nach Sprengstoff abgesucht und jeder Ablauf wurde minutiös geplant. Wir halten es von daher für nahezu ausgeschlossen, dass wir Madonna am Samstag hier auf der Eurovisionsbühne sehen werden. Eventuell wird sie von irgendwo in Tel Aviv zugeschaltet – doch auch das steht noch in den Sternen.
Wie die Zeitschrift Rolling Stone gestern vermeldete, fehlt noch ein direkter Vertrag zwischen Madonna und der EBU. EBU-Supervisor Jon Ola Sand wird mit den Worten zitiert: „Die Rundfunkunion (EBU) hat Madonna nie offiziell als Act bestätigt. Wenn wir keinen unterschriebenen Vertrag haben, kann sie nicht auf unserer Bühne auftreten.“

Hintergrund könnten die strengen Regeln der EBU zu politischen Statements sein. Madonna ist nicht gerade für Zurückhaltung bekannt und ihr wäre ein Friedensaufruf durchaus zuzutrauen. Ohne genaue Absprachen wird sich die EBU darauf nicht einlassen.

Wir haben im Pressezentrum noch ein Plätzchen frei für Madonna | Foto: Martin Schmidtner
Wir halten im Pressezentrum noch ein Plätzchen frei für Madonna | Foto: Martin Schmidtner

Fundstücke

Gestern wurde ja ein offizielles Musikvideo von der S!sters veröffentlicht.

Das hat den Mädchen und Jungs der Bavli Yerushalmi Grundschule in Tel Aviv wohl zu lange gedauert und sie haben ein eigenes Video zum Bullying-Thema des deutschen ESC-Beitrags gedreht: „We found Germanys song for the Eurovision Song Contest beautiful and moving. We decided to create a video of our students performing it.“ 

Und auch das Bnei Brit Community Center in Jaffa war auf den deutschen Beitrag gestoßen und hat ein Video zum Thema Sisterhood gedreht.
„We came up with the idea of creating a video clip based on the Germany song to the Eurovision „Sisters“ by portraying the concept of „sisterhood“. The participants are women of all ages, who live in the neighborhood and are part of our community center. The video clip was created in Bnei Brit Neve Golan community center as part of „KeHilavision project“ by Tel- Aviv Yafo municipality.“

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